Archiv ‘Literatur’ Category

31. Januar 2013

»Schriftsteller sein ist eigentlich etwas unglaublich Anmassendes«

Die Hubert-Fichte-Preisträgerin 2012, Tina Uebel im Gespräch mit dem HAMBURGER FEUILLETON



Wenige Tage, nach­dem Tina Uebel die Nach­richt erhal­ten hatte, dass sie die Preis­trä­ge­rin des nun­mehr im vier­jäh­ri­gen Rhyth­mus ver­ge­be­nen Hubert-Fichte-Preises der Stadt Ham­burg wer­den würde, tra­fen wir die Auto­rin zum Inter­view in ihrem »Kiez« St. Pauli. An die­sem kal­ten Dezem­ber­mor­gen wurde viel über ihren Begriff von Hei­mat und Fremde, das Schrei­ben, die Lite­ra­tur im All­ge­mei­nen und die Freude über die­sen renom­mier­ten Preis, der für ein Gesamt­werk mit Bezug zur Stadt Ham­burg ver­lie­hen wird, gere­det. Und natür­lich auch über Hubert Fichte.

Und vor allem wurde klar, warum die Jury den Preis gerade an diese Auto­rin ver­ge­ben hat. Die Viel­ge­reiste führt auf Ihre Weise die gute Tra­di­tion der Han­se­stadt fort, von einer fes­ten Basis in die Welt hin­aus­zu­schauen und diese zu begrei­fen, ohne zu ver­ein­nah­men. Das wurde auch bei der gest­ri­gen Preis­ver­lei­hung im Ham­bur­ger Lite­ra­tur­haus durch die Kul­tur­se­na­to­rin Bar­bara Kis­se­ler deut­lich. Das Inter­view wird – da der Film nur einen Aus­schnitt aus dem 1,5h Gespräch zei­gen kann – in vol­ler Länge als Abdruck in meh­re­ren Tei­len im Laufe der nächs­ten Wochen erscheinen.

Mat­thias Schu­mann (kms)

25. Dezember 2012

Das Adventsklappentexteratespiel

Letz­ter Gewinn. Frohe Weih­nach­ten für alle Leser!

Weih­nach­ten ist da, und das Advents­klap­pen­tex­te­ra­te­spiel ist für 2013 zu Ende. Wir bedan­ken uns bei all den enga­gier­ten Mitra­tern und Mit­spie­lern und bei unse­rem Part­ner HEINEKOMM, der uns die Bücher zur Ver­fü­gung gestellt hat; und wir freuen uns, daß das Spiel so gut ange­nom­men wurde. Beson­ders gefreut haben wir uns über eine Dankes-Mail unse­res Spiel­kö­nigs Ste­fan Brandt, der mehr­fach erfolg­reich war:

»Es hat mir gro­ßen Spaß gemacht, jeden Tag in den Start­lö­chern zu lie­gen um »mit­zu­ra­ten«. Das hat mich in meine Kin­der­zei­ten ver­setzt, als ich es kaum erwar­ten konnte, das Tür­chen mit der Scho­ko­lade zu öff­nen… Und ich habe lange nicht mehr so viel über Lite­ra­tur gelernt.«

Was wol­len wir mehr!

Der letzte Preis, die wun­der­schön gezeich­nete und kom­plexe Gra­phic Novel »Gift« von Bar­bara Yelin (Zeich­nun­gen) und Peer Meter (Sze­na­rio), die sich um die Geschichte der Bre­mer Gift­mör­de­rin Gesche Gott­fried dreht, geht an unsere Lese­rin Kath­rin Weß­ling. Der Stoff wurde übri­gens von Rai­ner Wer­ner Fass­bin­der dra­ma­ti­siert, bei ihm hieß das Stück »Bre­mer Freiheit«.

Und wie ver­spro­chen, legen wir noch eine Über­ra­schung mit in Paket. 

Mat­thias Schu­mann (kms)

19. Dezember 2012

WAMM macht die Tür

HHF-Gastautorin Bri­gitte Helb­ling über den aus­ser­ge­wöhn­li­chen Comic »Quai d’Orsay«

Sofapolitik (Bild: Reprodukt)
Sof­a­po­li­tik (Bild: Reprodukt)

Ein fran­zö­si­scher Comic-Zeichner trifft bei einer Ver­an­stal­tung einen Mann, der jah­re­lang im fran­zö­si­schen Außen­mi­nis­te­rium tätig war. Man kommt ins Gespräch, man beschließt, gemein­sam einen Comic zu machen. Das zwei­bän­dige Ergeb­nis, »Quai d’Orsay«, hat sich in Frank­reich über 250’000 Mal ver­kauft. Vor eini­gen Mona­ten ist es im Repro­dukt Ver­lag mit dem deut­schen Unter­ti­tel: »Hin­ter den Kulis­sen der Macht« erschienen.

(Auto­bio­gra­phi­scher) Comic as usual? Kei­nes­wegs. »Quai d’Orsay« ist ein klei­nes Comic-Wunder.

Ich gebe zu, ich war dar­auf ein­ge­stellt, mich zu lang­wei­len. Nichts gegen das Hinterzimmer-Melodram der Poli­tik an sich, das viele Sach­bü­cher füllt, aber Frank­reich? Bitte. Maxi­mal wird es da doch ein wenig unap­pe­tit­lich, siehe der Skan­dal um Domi­ni­que Strauss-Kahn. Das über­große Alben­for­mat von „Quai d’Orsay“ ver­spricht keine leichte Lek­türe. 200 Sei­ten vol­ler Anzugs­män­ner, die sich auf­spie­len. Wie inter­es­sant kann das schon sein?

Inter­es­sant, unter­halt­sam, komisch, berüh­rend – man kommt mit den Adjek­ti­ven gar nicht hin­ter­her, wenn man die­sen Comic beschrei­ben will. Wesent­li­chen Anteil daran hat der Zeich­ner Chris­to­phe Blain, des­sen bis­he­rige The­men­fel­der Cow­boys (»Gus«) und Pira­ten (»Isaak der Pirat«) als die per­fekte Vor­stu­dien für den Blick in die Kor­ri­dore der Macht erschei­nen kön­nen. Mit Abel Lan­zac hat er einen Part­ner, Autor und »Inside-Man« gefun­den, der sich so viele Jahre über den Poli­tik­be­trieb geär­gert zu haben scheint, dass er seine Beob­ach­tun­gen und Zuspit­zun­gen als per­fek­tes Destil­lat prä­sen­tie­ren kann: Kein Bild, kein Erzähl­schlen­ker zu viel.

Die Geschichte ist sim­pel: Arthur Vla­minck, ein Aka­de­mi­ker mit Pro­mo­ti­ons­vor­ha­ben, erhält eine Stelle im Außen­mi­nis­te­rium als Reden­schrei­ber. Sein Chef und ers­ter Vor­ge­setz­ter, ein (in Blains Bil­dern) Tai­fun von einem Mann, ist Alex­andre Tail­lard de Vorms. Die Zeit: Um 1983, kurz vor Ein­marsch der Ame­ri­ka­ner im Irak. Vla­mincks Auf­gabe in die­sem Kabi­nett: »Ich ver­traue Ihnen das Aller­hei­ligste an. Die Spra­che.«

Kaum wird Vla­minck die Spra­che anver­traut, wird sie ihm gleich wie­der weg­ge­nom­men. Sein neuer Chef for­dert den Ein­bau von Zita­ten aus den Schrif­ten von Phi­lo­so­phen wie Hera­klit oder Demo­krit, deren Bücher er mit Stabilo-Leuchtstiften mar­kiert hat (»Sta­bi­loi­sie­ren« nennt er diese Lese­tech­nik mit eini­gem Stolz), die Mit­ar­bei­ter der ver­schie­de­nen Abtei­lun­gen haben ihre eige­nen Anlie­gen, für die Vla­minck sich ein­set­zen soll, und sämt­li­che Hin­ter­grund­in­fos, die er von dem freund­li­chen, melan­cho­li­schen Stabs­chef Mau­pas erhält, machen ihm klar, dass er hier die Sprach­ge­walt nicht ver­ant­wor­tet, son­dern maxi­mal als Dik­tat ent­ge­gen­neh­men wird.

»Du wirst der Schrei­ber des Pha­rao«, quit­tiert Vla­mincks Freun­din Marina gleich zu Beginn sei­nen neuen Job. »Wuss­test du, dass die Schrei­ber Skla­ven waren?«

Blains Strich setzt von Beginn weg die Akzente. WAMM (fran­zö­sisch: VLON) macht die Tür, wenn Tail­lard de Vorms einen Raum betritt. KLACK macht der Tele­fon­hö­rer, der mit Schwung in die Gabel gewor­fen wird. Die­ser Poli­ti­ker ist gewal­tig, die pure Bewe­gung, ges­ti­ku­liert, läuft auf und ab, hält die über­lange Nase forsch in die Zukunft gerich­tet. Ist er im Raum, schei­nen alle Anwe­sen­den zu schrump­fen. Ver­lässt er ihn, blä­hen sich die Zurück­ge­blie­be­nen auf – Mini-Taillards – auch Vla­minck, der vor sei­ner Freun­din gerne mal den Macker markiert.

In sei­nen Ver­su­chen, sei­nem Vor­ge­setz­ten nach­zu­ei­fern, schei­tert er nicht zuletzt an den Schu­hen. Woran erkennt man Diplo­ma­ten? fragt die­ser Comic. »Die haben alle Tre­ter wie geleckt.« Vla­minck dage­gen kann an sei­nen Schu­hen polie­ren, wie er will, sie glän­zen nie. »Man darf eben nicht die erst­bes­ten kau­fen«, klärt ihm her­ab­las­send ein Außenamts-Mitarbeiter im Flug­zeug auf.

In »Quai d’Orsay« heißt Irak nicht Irak, Tail­lard de Vorms gleicht Domin­que de Vil­le­pin, (dem Außen­mi­nis­ter Frank­reichs um die Zeit der Hand­lung) weni­ger, als dass er ihn »beschwört« (Blain im Inter­view mit Oli­vier Del­croix), und Arthur hat nur geringe Ähn­lich­kei­ten mit Vil­le­pins legen­dä­rem Reden­schrei­ber Bruno le Maire – lau­ter Per­so­nen und (Diplomatie-) The­men, die Abel Lan­zac (der Name ist ein Pseud­onym) offen­sicht­lich gut kennt. Hier geht es weder um eine Schlüs­sel­ge­schichte noch um skan­da­löse Ent­hül­lun­gen, son­dern um den ganz nor­ma­len All­tag in einem Betrieb, der unter Hoch­druck arbei­tet. Man muss sich für Diplo­ma­tie inter­es­sie­ren, um die­sen Comic zu mögen – man muss nur sol­che Betriebe kennen.

Tail­lard de Vorms, intel­li­gent und eitel, getrie­ben und ego­man, könnte auch in der Chef­etage eines Unter­neh­mens oder Groß­kon­zerns sit­zen, oder in der Inten­danz einer Kul­tur­in­sti­tu­tion. Er ist die Maß­lo­sig­keit, deren Effek­ti­vi­tät davon abhängt, inwie­weit sie sich kon­trol­lie­ren lässt, der Mino­tau­rus, der die Men­schen um sich herum unent­wegt her­aus­for­dert – und in die­ser Her­aus­for­de­rung inspi­riert – kurzum, ein Mons­ter, das in sei­ner Unge­heu­er­lich­keit anzie­hend wirkt (die gefähr­lichste Art).

Und Vla­minck, getex­tet von Lan­zac, mit Bil­der­le­ben ver­se­hen von Blain, ist der ihm ver­fal­lene Chro­nist. Zum Schluss sitzt er wei­nend vor dem Fern­se­her. Der Poli­ti­ker hat seine Sätze mit soviel Über­zeu­gung vor­ge­tra­gen, dass in der UNO applau­diert wurde …

(Ist am Ende doch alles nur gro­ßes Thea­ter, das mit der Politik.)

Chris­to­phe Blain/Abel Lan­zac: Quai d’Orsay –
Hin­ter den Kulis­sen der Macht

Aus dem Fran­zö­si­schen von Ulrich Pröf­rock,
Hand­let­te­ring von Olav Korth

Die­ser Arti­kel erscheint zeit­gleich auch auf CUL­Tur­MAG. Wir dan­ken unse­ren Kol­le­gen für die Kooperation.

Bri­gitte Helb­ling (bh)

11. Dezember 2012

Das Adventsklappentexteratespiel

11 Klap­pen und ein Buch

 

  

Jeder Advents­ka­len­der hat so seine klei­nen Tür­chen, bei uns wer­den aber Klap­pen geöff­net, um die ersehnte kleine Über­ra­schung zu bekom­men. Das HAMBURGER FEUILLETON ver­lost jeden Tag im Dezem­ber – bis Weih­nach­ten natür­lich, wie es sich gehört – ein Buch, unser lite­ra­ri­sches Adventskalenderspiel.

Und so geht es:

Wir stel­len jeden Tag einen Aus­zug aus dem Klap­pen­text eines Buches vor. Per­so­nen­na­men wer­den selbst­ver­ständ­lich unkennt­lich gemacht, damit es nicht zu ein­fach wird. Der Leser, der uns anhand die­ses Tex­tes unter adventskalender@hamburger-feuilleton.de zuerst den rich­ti­gen Titel nennt oder den Titel in unse­ren Kom­men­tar­be­reich schreibt, bekommt von uns das Buch in den drauf­fol­gen­den Tagen zuge­schickt. Es gilt das Absen­de­da­tum der Mail oder der Zeit­punkt des Kom­men­tar­ein­trags. Der Rechts­weg ist selbst­ver­ständ­lich ausgeschlossen.

Eine Aktion in Koope­ra­tion mit HEINEKOMM – Kul­tur­er­eig­nisse, die uns freund­li­cher­weise die 24 Bücher zur Ver­fü­gung gestellt haben.

Wir wün­schen viel Spaß beim Raten und eine gute Zeit bis Weihnachten!

Das kei­ner Eva Mat­tes hüb­sche Bio­gra­phie »Wir kön­nen nicht alle wie Berta sein« – das Zitat bezieht sich übri­gens auf Ibsens »Wild­ente« – erra­ten hat, ist wirk­lich merk­wür­dig. Aber dann hat wenigs­tens ein Redak­ti­ons­mit­glied noch ein Weih­nachts­ge­schenk in Reserve.

Der Nicht-Tschechow ist natür­lich Vla­di­mir Soro­kin mit sei­nem Roman »Der Schnee­sturm«. Jeg­li­che Anspie­lung auf die der­zei­tige Wit­te­rung erspa­ren wir uns aus­drück­lich. Das Buch geht jeden­falls an Renate Aichin­ger aus Wien. Wir grü­ßen und beglück­wün­schen zu die­sem Fang!

So, jetzt ein­mal zu den erns­ten und wich­ti­gen Din­gen des Lebens. Zunächst ein­mal ernst:

»Schnee­wal­zen rol­len auf Deutsch­land zu, Asche­wol­ken brin­gen Fern­se­h­ex­per­ten um den Ver­stand …«

Aber anschei­nend ist noch nicht alles ver­lo­ren, denn wich­tig ist:

»…, worum es eigent­lich geht: Liebe, Nah­rung, Mit­ein­an­der.«

Mat­thias Schu­mann (kms)

20. November 2012

Hubert-Fichte-Preis der Stadt Hamburg 2012

Die Preis­trä­ge­rin Tina Uebel im Inter­view – der Trailer


Die Ham­bur­ge­rin Tina Uebel (»Last Exit Volks­dorf«) erhält den renom­mier­ten Hubert-Fichte-Preis der Stadt Ham­burg. Wir spra­chen mit der viel­ge­reis­ten Auto­rin anläss­lich der Preis­ver­gabe – über das Gefühl von Hei­mat, die weite, unbe­kannte Welt und natür­lich über den Namens­ge­ber des Prei­ses, Hubert Fichte.

Das HAMBURGER FEUILLETON prä­sen­tiert den voll­stän­di­gen Inter­view­film zur Preis­ver­lei­hung Ende Januar, wir freuen uns aber, zur heu­ti­gen Bekannt­gabe des Prei­ses unse­ren Lesern bereits einen klei­nen Trai­ler zei­gen zu können.

Mat­thias Schu­mann (kms)