Archiv ‘Religion & Gesellschaft’ Category

12. Mai 2013

Bene-Dictum: Die Kamelfrage

Hein­rich Heine, Uli Hoeneß und die Super­rei­chen von heute

Gegen­wär­tig ist die Empö­rung über die Steu­er­flucht und andere betrü­ge­ri­sche Prak­ti­ken der Rei­chen groß. Wieso, fragt sich der Durch­schnitts­deut­sche, müs­sen die Rei­chen, deren Reich­tum stän­dig wächst (die berühmte Schere zwi­schen Arm und Reich) auch noch den Fis­kus betrü­gen? Sind das Cha­rak­ter­de­fi­zite? Uli Hoeneß, der sym­pa­thi­sche Fuß­bal­ler und enga­gierte Bür­ger, so ein Raff­zahn und Zocker? Der Post­chef Zum­dick vor eini­gen Jah­ren. Und tau­send andere. Stimmt der Spruch: »Je mehr er hat, je mehr er will, nie ste­hen seine Wün­sche still«?

Was könnte bloß das Motiv der Rei­chen sein, sich wei­ter zu berei­chern, nichts zu ver­schen­ken? Dar­über hat sich Hein­rich Heine in sei­nen Berich­ten  aus Paris im Jahr Gedan­ken gemacht. Am 5. Mai 1843 schil­dert Heine, anläss­lich der Eröff­nung der bei­den Eisen­bahn­li­nien nach Orleans, die Rolle  gro­ßen Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten zur Finan­zie­rung der Eisen­bah­nen. Und kommt dann auf das Bank­haus Roth­schild zu spre­chen. Auf dem Höhe­punkt sei­nes Ein­flus­ses sei der Baron von Roth­schild, der reichste Mann sei­ner Zeit,  wie Lud­wig XIV.  nur mit der Sonne zu ver­glei­chen. Aber diese arme Sonne hat keine Ruhe vor ihren Anbe­tern, die ihm so stark zuset­zen, dass man Mit­leid mit ihm haben möchte. »Ich glaube über­haupt, das Geld ist für ihn mehr ein Unglück als ein Glück; er muss viel lei­den von  dem Andrang des vie­len Elends, das er  lin­dern soll.«  »Über­reich­tum ist viel­leicht schwe­rer zu ertra­gen als Armut.«

Jedem, der sich in gro­ßer Geld­not befin­det, rät Heine, zu Herrn von Roth­schild zu gehen, nicht um zu bor­gen, denn er zwei­felt, dass er etwas Erkleck­li­ches bekommt, son­dern um sich durch den Anblick jenes Geldelends zu trös­ten. Und jetzt folgt: »Wie unglück­lich sind doch die Rei­chen in die­sem Leben– und nach die­sem Tode kom­men sie nicht ein­mal in den Him­mel! ‚Ein Kamel wird eher durch ein Nadel­öhr gehen, als dass ein Rei­cher in das Him­mel­reich käme‘, die­ses Wort des gött­li­chen Kom­mu­nis­ten ist ein furcht­ba­res Ana­thema und zeugt von sei­nem bit­te­ren Hass gegen die Börse und haute finance von Jeru­sa­lem. Es wim­melt in der Welt von Phil­an­thro­pen, es gibt Tier­quä­ler­ge­sell­schaf­ten, und man tut wirk­lich sehr viel für die Armen. Aber für die Rei­chen, die noch viel unglück­li­cher sind, geschieht gar nichts.

Statt Preis­fra­gen über Sei­den­kul­tur, Stall­füt­te­rung und Kant­sche Phi­lo­so­phie auf­zu­ge­ben, soll­ten unsere gelehr­ten Sozie­tä­ten einen bedeu­ten­den Preis aus­set­zen zur Lösung der Frage: Wie man ein Kamel durch ein Nadel­öhr fädeln könne? Ehe diese große Kamel­frage gelöst ist und die Rei­chen eine Aus­sicht gewin­nen ins Him­mel­reich zu kom­men, wird auch für die Armen kein durch­grei­fen­des Heil begrün­det. (…) Wüss­ten die Rei­chen, dass sie dort oben wie­der in alle Ewig­keit mit uns zusam­men hau­sen müs­sen, so wür­den sie sich gewiß hier auf Erden etwas genie­ren und sich hüten, uns gar zu sehr zu miss­han­deln. Laßt uns daher vor allem die große Kamel­frage lösen.« 

Heine treibt sei­nen Spaß mit dem ehr­wür­di­gen Text, über den in der Kir­chen– und Welt­ge­schichte schon so viel gerät­selt und gepre­digt wor­den ist. Sein genia­ler Ein­fall besteht darin, sich auf die Seite der unglück­li­chen und gequäl­ten Rei­chen zu schla­gen, die vom Him­mel­reich aus­ge­schlos­sen sind. Geschickt hat er sich durch die Schil­de­rung der bemit­lei­dens­wer­ten Lage des Barons Rot­schild an das Thema Last des Reich­tums her­an­ge­ar­bei­tet. Jesu Satz wird nicht rela­ti­viert oder spitz­fin­dig aus­ge­legt. Etwa in der Art, es gab ein klei­nes Stadt­tor namens Nadel­öhr in Jeru­sa­lem, durch das gerade so eben ein Kamel passte, eine reich­tums­güns­tige Aus­le­gung, die seit dem Hoch­mit­tel­al­ter bekannt ist und sich hart­nä­ckig hält, obwohl es erwie­se­ner­ma­ßen nie ein sol­ches Tor gege­ben hat.

Über­haupt ist die  Aus­le­gungs­ge­schichte der Geschichte vom rei­chen Jüng­ling eine Fund­grube exege­ti­scher Ver­bie­gun­gen. Schon in den Evan­ge­lien sel­ber wird das radi­kale »Ver­kaufe alles ‚was du hast und gib’s den Armen« erweicht.  Das geschieht im Luka­sevan­ge­lium in der Geschichte vom  rei­chen Zöll­ner  Zachäus, in des­sen Haus Jesus ein­kehrt. Er  tritt vor Jesus hin und sagt: »die Hälfte mei­nes Besit­zes gebe ich den Armen und was ich unrecht erwor­ben habe, erstatte ich vierfach.«

Diese Selbst­an­zeige eines Rei­chen  ist wohl die erste prag­ma­ti­sche Lösung der gro­ßen Kamel­frage, die wir ken­nen. Kein spon­ta­ner Ein­fall, son­dern sie wird in der Gemeinde, in der und  für die Lukas schreibt, Pra­xis gewe­sen sein. Sie fin­det sich immer­hin noch 250 Jahre spä­ter bei Basi­lius dem Gro­ßen. Von den ver­er­ben­den  Fami­li­en­vä­tern for­dert die­ser, dass sie mehr als die Hälfte  ihres Ver­mö­gens der Seele, sprich Gott, ver­er­ben. Die­ser »Seel­teil“, nun zuguns­ten des Staa­tes, wäre bei der Reform der Erb­schafts­steuer doch ein guter Richt­satz. Danach aber setzt sich die Ten­denz durch, das Gebot dahin­ge­hend zu mil­dern, nur etwas von dem Ver­mö­gen den Armen abzugeben.

Die katho­li­sche wie die pro­tes­tan­ti­sche Aus­le­gungs­ge­schichte die­ses Ver­ses ist eine der Ver­drän­gung. Wie klar doch dage­gen Heine argu­men­tiert, er weicht nicht den geld­kri­ti­schen Ansatz Jesu nicht auf, er aktua­li­siert ihn, ables­bar an den Begrif­fen Ban­kiers, Hoch­fi­nanz, Börse. Vor Augen hat er das Auf­kom­men rie­si­ger Finanz­ver­mö­gen und –spe­ku­la­tio­nen, von den Eisen­bahn­ak­tien (die Heine sel­ber kaufte) über Roth­schild zu Jesu Ver­dikt – Geld regiert die Welt. In einem Arti­kel vom März 1841 schreibt Heine: »Das Geld ist der Gott unse­rer Zeit.«

 

Die Rei­chen haben es schwer, weil sie nicht ins Him­mel­reich kom­men. Das also ist der Grund für das wider­sin­nige Ver­hal­ten — auch heut­zu­tage. Mag man auch nicht mehr an den Him­mel glau­ben, selbst als Bayer nicht, unter­grün­dig wirkt der Satz nach. Da darf man doch an die Geschichte vom Zöll­ner Zachäus erin­nern. Sie eröff­net für Uli Hoeneß und andere Steu­er­sün­der eine Per­spek­tive – gib die Hälfte den Armen und erstatte vier­fach, was du unrecht erwor­ben. Dann öff­net sich für dich der Him­mel auf Erden – du bist wie­der ange­nom­men, das treibt den armen Hoeneß beson­ders um und da hat er mein Mit­ge­fühl, und darfst in der Talk­show, dem Him­mel der media­len Prä­senz, auftreten.

Aber das Pro­blem des Über­reich­tums ist damit über­haupt nicht gelöst. Hoeneß, der Wurst­fa­bri­kant, ist ja ver­gli­chen mit den Super­rei­chen fast ein »armes Würst­chen«. Clans wie die Quandts in Deutsch­land konn­ten sich 2012 allein auf­grund ihres BMW-Pakets auf eine Divi­dende von 650 Mil­lio­nen Euro freuen.

In gewis­ser Weise sind die Steu­er­oa­sen, sagt der Sozio­loge H. J. Krys­man­ski (0,1% – Das Impe­rium der Mil­li­ar­däre) Waf­fen­de­pots im Krieg der Rei­chen, und er zitiert War­ren Buf­fett, mit einem Pri­vat­ver­mö­gen von 60 Mil­li­ar­den Dol­lar einer der reichs­ten Män­ner der Welt, mit fol­gen­den Wor­ten: »Es herrscht Klas­sen­krieg, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Rei­chen, die Krieg führt und wir gewinnen.«

Was haben die Super­rei­chen mit die­sen Macht­mit­teln des Gel­des, den 30 bis 50 Bil­lio­nen Dol­lar, vor? Zunächst ein­mal wis­sen sie um die Wich­tig­keit des Ein­drucks , den sie in  der Öffent­lich­keit machen, und des­we­gen haben Bill Gates und W. Buf­fett im Jahr 2009 ein Dut­zend der libe­rals­ten US-amerikanischen Mil­li­ar­däre  ein­ge­la­den, um ganz wie der Zachäus des Evan­ge­lis­ten Lukas, sich zu ver­pflich­ten, die Hälfte ihres Ver­mö­gens für phil­an­thro­pi­sche Zwe­cke zu stiften.

Das sieht sozial gut aus, hat aber zur Kon­se­quenz, dass sie damit halb­öf­fent­li­che Auf­ga­ben über­neh­men. Krys­man­ski hat  den  Super­reich­tum mit einer Ring­burg ver­gli­chen, in deren Mitte die 0,01 % Super­rei­che sit­zen, Mil­li­ar­däre wie War­ren Buf­fet und Bill Gates – »eine völ­lig los­ge­löste und zu allem fähige soziale Schicht, wel­cher die Wissens-und Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft alle Mit­tel in die Hände legt, um sich als neue gesell­schaft­li­che Mitte zu etablieren.“

Um sie herum und als zwei­ter Ring grup­pie­ren sich die Kon­zern– und Finan­ze­li­ten als Spe­zia­lis­ten der Ver­wer­tung und Siche­rung des Reich­tums. Den nächs­ten Funk­ti­ons­ring bil­den die poli­ti­schen Eli­ten, also die natio­na­len Regie­run­gen, die sicher­stel­len, dass der Reich­tum von unten nach oben ver­teilt wird. Die größte Gruppe hält sich auf dem Außen­ring der Fes­tung auf – die Funk­ti­ons– und Wis­sen­se­li­ten aller Art, von Wis­sen­schaft­lern über die Techno-und Büro­kra­ten bis zu den Unter­hal­tungs­eli­ten in Medien, Kul­tur und Sport.

Wäh­rend sich also die Rei­chen ver­schan­zen und gleich­zei­tig ihren Ein­fluss auf Poli­tik und Wirt­schaft aus­zu­wei­ten ver­su­chen, häuft sich um die Ring­burg das Kon­flikt­po­ten­tial – nach einer Stu­die des bri­ti­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums wer­den im Jahr 2037 60 % der Men­schen welt­weit  in vers­lum­ten Städ­ten um die Ban­ken­türme  sich zusam­men­drän­gen. Diese Kon­zen­tra­tion von Not, Arbeits­lo­sig­keit und Unzu­frie­den­heit wird einen gewal­ti­gen Spreng­satz darstellen.

Einige Ana­ly­ti­ker neh­men an, dass die Gelde­li­ten sich wei­ter ver­selb­stän­di­gen wol­len. Sie begin­nen, auf eigene Faust mit Söldner-Armeen sowie pri­va­ten Polizei-und Geheim­diens­ten zu koope­rie­ren. So soll der russisch-britische Mil­li­ar­där Abra­mo­witsch  auf sei­ner 475 Mill. teu­ren Mega­yacht Eclipse ein Rake­ten­ab­wehr­sys­tem instal­liert haben.

Ist das jetzt eine neue Ver­schwö­rungs­theo­rie? Nicht unbe­dingt: In der Tat ist die Hei­ne­sche Kamel­frage unge­löst – pri­va­ten Super­reich­tum demo­kra­tisch zu kon­trol­lie­ren, ist vor allem eine Frage des Daten­wis­sens. Und genau das ist das Nadel­öhr, durch das man die Super­rei­chen fädeln müsste. Schon bei den Steuer-CDs, die bun­des­deut­sche Län­der kauf­ten, um die vie­len rei­chen Steu­er­sün­der  mitt­le­rer Größe zu über­füh­ren, ist das erkenn­bar. Aber trauen sich die Regie­run­gen auch an die Super­rei­chen heran? Eher nicht, aber ohne ihre demo­kra­ti­sche Kon­trolle wird es nicht wirk­lich bes­ser wer­den, und so wird uns die Kamel­frage wohl noch lange begleiten.

Hans-Jürgen Bene­dict (hjb)

20. April 2013

Rauschhafte Verführung

Erfah­run­gen mit dem Hören und Sehen von Wag­ners Opern – eine ver­hal­tene Lob­rede zu sei­nem 200. Geburtstag

Rot-Grün (Foto: © Edler von Rabenstein - Fotolia.com)
Rot-Grün (Foto: © Edler von Raben­stein — Foto​lia​.com)

Wagner habe ich mich lang­sam ange­nä­hert. Die erste über­wäl­ti­gende Hör­er­fah­rung war der Schluß der Göt­ter­däm­me­rung mit Christa Lud­wig als Brün­hilde und dem Phil­har­mo­ni­schen Staats-Orchester Ham­burg unter dem berühm­ten Wagner-Dirigenten Hans Knap­perts­busch Anfang der 60er Jahre. »Starke Scheite rich­tet mir auf«, dann ruft sie ihr Roß Grane und rei­tet ins Feuer, eine selbst ange­rich­tete  archai­sche Wit­wen­ver­bren­nung. Die Klang­mas­sen auf­tür­mende Musik über­wäl­tigte mich der­art, dass ich nicht wußte, wie mir geschah. Ich schwamm im Klang, wurde von ihm davon­ge­tra­gen, dar­über und dazwi­schen die Stimme der Lud­wig. Immer neue Stei­ge­run­gen, bis der Klang wie eine Rie­sen­welle über mir zusam­men­schlug und ich nach Luft schnappte.

Es war über­wäl­ti­gend, ich fühlte mich aus­ge­lie­fert. Was war mit mir gesche­hen? Als Mit­tel der Ernüch­te­rung las ich Theo­dor W.Adornos Ver­such über Wag­ner. Was ich davon ver­stand, war die War­nung vor dem Rausch­haf­ten und vor der Ver­herr­li­chung des Nich­ti­gen, vor einer heid­ni­schen Remy­thi­sie­rung. »Die wahre Idee der Oper, die des Tros­tes, vor dem die Pfor­ten der Unter­welt sich öff­nen, ist verlorengegangen.«

Hinzu kam Wag­ners dik­ta­to­ria­les Gehabe und sein Spott über die Juden. Den jüdi­schen Diri­gen­ten Her­mann Levi, der die Urauf­füh­rung des Par­zi­val lei­ten sollte, demü­tigte er auf schlimmste Weise, legte ihm nahe, sich vor­her tau­fen zu las­sen. Erst ein­mal wollte ich des­we­gen nichts mehr hören von dem Bay­reu­ther Gesamt­künst­ler, der nicht nur anti­se­mi­tisch getönte Schrif­ten ver­fasst, son­dern des­sen rausch­hafte Musik den deut­schen Weg in den schreck­li­chen Welt­krieg und die Ver­nich­tung der euro­päi­schen Juden beglei­tet hatte.

Aber dann ich ließ mich Mitte der 60 er Jahre von einem guten Freund über­re­den und ging mit ihm in eine Auf­füh­rung  der Meis­ter­sin­ger von Nürn­berg in der Ham­bur­gi­schen Staats­oper. Und ich konnte mir nicht hel­fen, mir gefiel die Oper  schon von der ers­ten Szene an–  in der Kir­che erklingt ein Gemein­de­cho­ral, der Johan­nes den Täu­fer zum Thema hat, »Edler Täu­fer, Christs Vor­läu­fer, nimmt uns gnä­dig an, dort am Fluss Jor­dan.« Zwei junge Men­schen, Eva und Walt­her von Stolzing, wech­seln wäh­rend der Lit­ur­gie hef­tige Bli­cke und ver­lie­ben sich, das sprach mich an (war ich doch sel­ber zu die­ser Zeit frisch verliebt).

Ich wurde ver­zau­bert von der Szene, in der Hans Sachs über den Zusam­men­hang von Flie­der­duft, Lie­bes­ge­fühl und Gesang nach­denkt: »Wie duf­tet doch der Flie­der so mild, so stark, so voll. Mir löst es weich die Glie­der, will, dass ich was sagen soll.“ Der Johan­nis­tag­ju­bel der Lehr­bu­ben, das Ständ­chen Beck­mes­sers, dann der Aus­bruch der Aggres­sion unter den Hand­wer­kern, die fugierte Prü­gel­szene in den Gas­sen Nürn­bergs, bis noch mal der Nacht­wäch­ter auf­taucht, des­sen Horn­ruf  alles beru­higt, »hört ihr Leut und lasst euch sagen« — es war wunderbar.

Die Gestalt des sprich­wört­lich gewor­de­nen Beck­mes­ser als Juden­ka­ri­ka­tur zu sehen, sicher, da war was dran. Aber die Komik sei­nes von den Ham­mer­schlä­gen Hans Sach­sens  gestör­ten Lie­des war doch ein wun­der­ba­rer Ein­fall. Sachs Wahn­mo­no­log mit dem tie­fen Blick in die Eitel­keit des Lebens. Stolzings Preis­lied mit der Ver­söh­nung von grie­chi­schem Par­nass und christ­li­chem Para­dies. Und schließ­lich die Fest­wiese mit den poli­tisch leicht miss­zu­deu­ten­den Wor­ten Sachs: »Ver­ach­tet mir die Meis­ter nicht und ehret ihre Kunst“, der Atta­cke  auf wel­schen Dunst, und dann: » Zer­ging in Dunst das heilge röm‘sche Reich, uns bleibe gleich die heil‘ge deut­sche Kunst.“

Sicher, eine Abwer­tung  eines ande­res Vol­kes, aber auch eine Vision, nach der die Gesell­schaft auf einem gemein­sa­mem Kunst­ver­ständ­nis auf­bauen müsse. Eine ein­deu­tige  Behaup­tung des Vor­rangs der Kunst vor der Poli­tik. Trotz­dem wurde die Oper poli­tisch benutzt und miß­braucht, Hit­ler liess sie anläß­lich der Par­tei­tage in Nürn­berg und im Krieg vor ver­wun­de­ten Sol­da­ten spie­len. Auch nach dem Krieg wurde sie staats­tra­gend ein­ge­setzt, etwa zur Wie­der­er­öff­nung zer­stör­ter Opern­häu­ser. Das war mir bewußt, aber es war es in die­sem Moment nicht so wich­tig. Ich ging nach Hause, erfüllt von einer hei­te­ren Hand­lung und einer dif­fe­ren­zier­ten Musik, schwärmte mei­ner Freun­din bei einem Mond­schein­spa­zier­gang im Jenisch­park etwas vor, träl­lerte  »Der Vogel, der da sang, dem war der Schna­bel hold gewach­sen,« sowie »Len­zes Gebot, süße Not« und wurde zur Beloh­nung geküßt.

Vier­zig Jahre spä­ter insze­nierte Peter Kon­wit­schny die Meis­ter­sin­ger  in dem glei­chen Opern­haus. Die Fest­wiese sah hyper-idyllisch aus, aller­dings brei­tete sie sich aus vor einem Pro­spekt des zer­bomb­ten Nürn­berg.  Als die Auf­füh­rung  an die Stelle mit den deut­schen Meis­tern und wel­schem Tand kam, unter­brach der Diri­gent Ingo Metz­ma­cher sein Diri­gat und wandte sich direkt ans Publi­kum, in dem er diese Worte hin­ter­fragte. Ein Affront für viele Wag­ne­ria­ner. Für mich eine gelun­gene Unter­bre­chung. Ich hatte in der Zwi­schen­zeit einige neue Erfah­run­gen mit Wag­ners Musik gemacht. In der Stutt­gar­ter Oper hatte ich in den 60er Jah­ren einige Insze­nie­run­gen von Wie­land Wag­ner gese­hen, der mit den rea­lis­ti­schen Kos­tü­min­sze­nie­run­gen auf­räumte und dank Licht­re­gie die See­len­re­gun­gen dar­zu­stel­len versuchte.

Ein­mal war ich sogar bei den Bay­reu­ther Fest­spie­len. Nor­ma­ler­weise musste man Jahre war­ten, bis man in den Genuß der begehr­ten Tickets kam. Ich hatte Glück, ich  bekam 1978 Pres­se­kar­ten über die Frank­fur­ter Hefte, für die ich damals regel­mä­ßig Kom­men­tare und  Arti­kel schrieb. Also lieh ich mir den Smo­king mei­nes Bru­ders aus und fuhr nach Bay­reuth, quar­tierte mich im Hotel zur Post ein und ging mor­gens zu den Vor­trä­gen über die musik­dra­ma­ti­schen Werke, die ich nach­mit­tags sehen sollte: ich fühlte mich wie einer, der in die Mys­te­rien der Wag­ner­schen Musik ein­ge­weiht wird.

Ich lernte eini­ges über die Leit­mo­ti­vik Wag­ners, in gewis­ser Weise ist der Zuhö­rer durch sie wei­ter als der Prot­ago­nist auf der Bühne. Ertönt ein Motiv, weist es auf Schick­sal­haf­tes vor­aus. Dann zu Mit­tag essen, sich fest­lich anzie­hen, zum grü­nen Hügel pil­gern, wo auch die Pro­mi­nenz vor­fährt. Es waren Fest­spiele wie im anti­ken Grie­chen­land zu Ehren eines Got­tes, eine Unter­bre­chung des All­tags, Got­tes­dienst im ursprüng­li­chen Sinne, Wei­he­spiele, nicht Musik­thea­ter wie sonst, wo man nach anstren­gen­der Berufs­tä­tig­keit abends noch schnell in die Oper hetzt und in der Mitte des 1. Aktes einschläft …

Die Sitze  im Fest­spiel­haus sind unbe­quem und ange­sichts der Länge der Wagner-Opern ist auch die Sitz-Leistung des Zuschau­ers nicht zu ver­ach­ten. Magisch der Moment, wenn die ers­ten Takte aus dem ver­deck­ten Orches­ter­gra­ben erklin­gen. Ich sah den Ring des Nibe­lun­gen in der berühm­ten Insze­nie­rung von Patrice Che­reau, musi­ka­lisch gelei­tet von Pierre Bou­lez, eine bild­ge­wal­tige Para­bel auf den Auf­stieg des indus­tri­el­len Kapi­ta­lis­mus und sein Pro­fit­stre­ben. Und dann der Par­zi­val, das Büh­nen­weih­fest­spiel, für mich als Theo­lo­gen auch eine inhalt­li­che Her­aus­for­de­rung mit der kunst­re­li­giö­sen Gral­s­ideo­lo­gie  und der anstö­ßi­gen For­mel »Erlö­sung dem Erlö­ser«.

Aber das Vor­spiel, jene selt­sam ver­klin­gen­den nach­hal­len­den Klang­fol­gen, als habe die Musik einen »Astral­leib«(Adorno), der Kar­frei­tags­zau­ber, Klingsors Gar­ten mit den Blu­men­mäd­chen, das war schon raf­fi­nierte Ver­füh­rung, der ich mich schwer  ent­zie­hen konnte. So viele Ein­drü­cke in die­sen Bay­reu­ther Tagen, dass ich anschlie­ßend nichts zu Papier brachte. Bay­reuth ist bis heute Gegen­stand hef­ti­ger Kon­tro­ver­sen. Die von der Fami­lie Wag­ner, beson­ders dem Patri­ar­chen Wolf­gang, ver­wal­te­ten Fest­spiele ver­wei­ger­ten sich jahr­zehn­te­lang der Auf­ar­bei­tung der poli­ti­schen Ver­stri­ckun­gen. Ob es mit sei­nen Töch­tern, die nun in der Ver­ant­wor­tung ste­hen, anders wird, ist unklar.

Den Tris­tan ent­deckte ich spä­ter,  nach der Poli­ti­sie­rung von 1968 und nach eige­nen Lie­besent­täu­schun­gen. »Da ich nun aber doch im Leben nie das eigent­li­che Glück der Liebe genos­sen habe, so will ich die­sem schöns­ten aller Träume noch ein Denk­mal set­zen, in dem von Anfang bis zum Ende die Liebe sich ein­mal so recht sät­ti­gen soll: ich habe im Kopfe Tris­tan und Isolde ent­wor­fen, die ein­fachste aber voll­blü­tigste musi­ka­li­sche Kom­po­si­tion;“ schreibt Wag­ner 1854 pathe­tisch an Liszt.

Gemein­sam ver­flu­chen Tris­tan und Isolde im 2. Akt den Tag, fei­ern die Nacht der Welt-Entrückung: »Dem Tage, dem Tage/ dem tücki­schen Tage/ dem här­tes­ten Feinde/ Hass und Klage«. Wie in Nova­lis Hym­nen an die Nacht, die wohl das Vor­bild für den eksta­ti­schen Nacht­ge­sang der Lie­ben­den abge­ge­ben haben, seh­nen sie sich zur hei­li­gen Nacht als einer neuen Form der Offen­ba­rung: »Frau Minne will, es werde Nacht.«

Das ist die Rück­nahme des bib­li­schen »Es werde Licht« aus der pries­ter­li­chen Schöp­fungs­ge­schichte, das Haydn in sei­nem Ora­to­rium Die Schöp­fung so groß­ar­tig gestal­tet hat. Es ist dar­über hin­aus die Rück­nahme des Licht­ge­dan­kens der Auf­klä­rung. Die musi­ka­li­sche Beschrei­bung von Chaos und Licht­schöp­fung war schon bei Haydn mehr als natu­ra­lis­ti­sche Male­rei — sie war in Töne gesetzte phi­lo­so­phi­sche Hoff­nung auf eine bes­sere Welt. Diese Welt ver­sinkt bei Wag­ner, dem nach­re­vo­lu­tio­nä­ren Kom­po­nis­ten. Die unge­lös­ten Wider­sprü­che der Welt des Tags sol­len auf­ge­ho­ben wer­den im Mys­te­rium der Lie­bes­nacht: »O sink her­nie­der, Nacht der Liebe, gib ver­ges­sen, daß ich lebe …« Ein sol­ches Pro­jekt muss mißlingen.

In der Ham­bur­ger Tristan-Inszenierung von Ruth Berg­haus wird diese Ent­frem­dung sze­nisch über­zeu­gend zum Aus­druck gebracht – die bei­den Lie­ben­den ste­hen ein­an­der abge­wandt in einer gewal­ti­gen Industrie-Turbine, die in einer kalt-wüstenhaften Land­schaft auf­ragt. Wir wis­sen, wie die Geschichte von Tris­tan und Isolde endet. Tris­tan, in ver­rä­te­ri­scher Liebe ent­deckt, wird im Zwei­kampf ver­wun­det, mit einer Wunde, die nicht hei­len will. Er siecht dahin, in Fie­ber­träu­men. Isolde darf end­lich den Ver­bann­ten auf­su­chen, zu spät, er stirbt in ihren Armen. Sie selbst stirbt den Lie­bes­tod, stirbt dem toten Gelieb­ten nach, indem sie sich der Weise des Sehn­suchts­mo­tivs ein­ver­leibt, die so wun­der­voll und leise won­ne­kla­gend ertönt. Sie schrei­tet, glei­tet hin­über in des »Welt-Atems wehen­dem All.«

Die lang­same Stei­ge­rung von Isol­des Ster­be­ge­sang kommt zu ihrem Höhe­punkt auf die­sem Wort Welt-Atem; der wogende Schall, der tönende Schall wird musi­ka­li­sches Ereig­nis, wird noch ein­mal uner­hört schö­ner Klang­rausch, indem Stimme und Orches­ter sich aus­sin­gen, um dann lang­sam zu ver­sin­ken, zu ver­lö­schen — auf dem gehal­te­nen Wort Lust  »Mit der schwar­zen Flagge, die am Ende weht, will ich mich dann zude­cken, um zu ster­ben.« Wag­ners pateh­ti­scher Satz klingt in mir nach

Wag­ners Wir­kung in der musi­ka­li­schen Welt ist unge­bro­chen. Das Event-Marketing anläss­lich von Wag­ners  200. Geburts­tag am 22. Mai 2013 läuft über­all auf vol­len Tou­ren, am inten­sivs­ten in Deutsch­land, das nach wie vor die meis­ten Opern­häu­ser der Welt betreibt. In Ham­burg beginnt der Wagner-Wahn mit 10 Wagner-Opern  im April und Mai. Ein gros­ser Luxus für eine kleine Schicht von  Bun­des­bür­gern, meine Wenig­keit gehört dazu, aber  auch die Bun­des­kanz­le­rin, die Bay­reuth jedes Jahr mit ihrem Besuch beehrt. Die von Wag­ner ange­strebte Ästhe­ti­sie­rung der Gesell­schaft, Kunst statt Poli­tik, im Som­mer auf dem Grü­nen Hügel, fin­det sie sozu­sa­gen schon mal statt. Danach wie­der: poli­tics as usual.

 

 

Hans-Jürgen Bene­dict (hjb)

29. März 2013

Bene-Diktum: Der Kuss

Gedan­ken zu einem Chagall-Bild: »Chris­tus vor dem blauen Himmel«

Hans-Jürgen Bene­dict (hjb)

17. März 2013

Wer bin ich und wie viele?

Fabian Hin­richs neuer Solo­abend »Ich. Welt. Wir. Es zischeln 1000 Fra­gen« am Schau­spiel­haus Hamburg.

Sind wir nicht alle ein bißchen Yoga? (Foto: DSH/Kerstin Schomburg)
Sind wir nicht alle ein biß­chen Yoga? (Foto: DSH/Kerstin Schomburg)

Vor einem Pro­spekt mit Pla­ne­ten, Stru­deln und einer Art gött­li­chem Auge sitzt Hin­richs in lan­ger Unter­wä­sche auf dem Boden und malt oder notiert auf sel­bi­gem. Er hat sich Ver­stär­kung geholt, einen jun­gen Kerl mit Sitar, dem man einen Bart ange­klebt und ein pro­phe­ten­haft anmu­ten­des Gewand ange­zo­gen hat. Wäh­rend das Publi­kum seine Plätze ein­nimmt, ruft es in unver­kenn­ba­rer Hinrich-Manier vom Band »Hallo? Kommt rein! Hallo!!! Kommt rein!«.

Man merkt gleich, hier geht es um die Suche nach Tran­szen­denz, die­sen ver­damm­ten und viel zitier­ten Sinn des Lebens.  Spä­tes­tens, wenn alle sit­zen und Hin­richs auf­steht, einen rie­sen­haf­ten Tur­ban auf­setzt und man erkennt, dass es sich bei der lan­gen Unter­wä­sche viel­leicht doch eher um eine Art Yoga­ge­wand han­delt. Mys­ti­scher Nebel steigt auf, und sein ers­ter Satz ist »Ich habe eine Seele, ja.« Der Nebel kriecht hin­un­ter in die ers­ten Rei­hen, und Hin­richs bekommt sei­nen ers­ten Lacher bei »Ich stehe hier um 20.38 Uhr auf der Bühne des Tha­lia Thea­ters (!). Ich bin auf mich gesto­ßen. Aber ich habe mich doch gar nicht gesucht.«

Der Abend lebt von den Brü­chen, die Hin­richs ent­we­der selbst setzt oder die Musik. In die­sem Fall »Con­nec­ted« von STEREO MCs; passt text­lich per­fekt und lässt die Kin­der der 90er-Jahre schmun­zeln. Hin­richs nutzt die Zeit, Blü­ten aus einer Klang­schale am vor­de­ren Büh­nen­rand ins Publi­kum zu wer­fen.  Auf Bruch folgt Bruch. Hel­les Licht im Saal, auch im Zuschau­er­raum. »Guten Abend. Ich bin Karin Beier. Ich habe einen Spruch von Rumi mit­ge­bracht.« Das alles klingt ein biss­chen ver­rückt. Und das ist es auch.

Fest steht, die bei­den Macher des Abends Fabian Hin­richs und Jür­gen Leh­mann haben ihre Haus­auf­ga­ben gemacht. Sie haben sich durch eine Menge Lite­ra­tur zum Thema gele­sen. An den Büh­nen­rän­dern vor den Logen dür­fen die gedank­li­chen Paten als Papp­fi­gu­ren ste­hen – von Hil­de­gard von Bin­gen über Mor­ris­sey, den ehe­ma­li­gen Lead­sän­ger der 80er-Jahre-Band »The Smiths«, bis hin zu Gus­taf Gründ­gens als Mephisto. Den spricht er spä­ter in sei­ner ganz per­sön­li­chen Schauspielhaus-Loge auch an, nicht ohne auf seine viel dis­ku­tierte Ver­bin­dung zum Regime des Drit­ten Rei­ches hinzuweisen.

»Das strenge Herz, es füllt sich mild und weich«, wird Faust zitiert und dann: »DAS waren noch Texte! DAS waren noch Stü­cke! DAS war noch Thea­ter!«. Diese Form von Selbst­iro­nie ist es, die Hin­richs so rasend sym­pa­thisch macht. Einer, der bei sämt­li­chen Dich­tern und Den­kern klaut, das Ganze geschickt ver­quirlt, vor einem Pro­spekt mit Got­tes– auge dekla­miert und Faxen macht – und sich gern mal selbst demon­tiert: Das ist so schräg, dass man es irgend­wie mögen muss.

Gerade weil man bei der Dichte an Infor­ma­tion manch­mal nur zum Teil ver­steht und sich kopf­schüt­telnd fragt, aus wel­chem Werk er die­sen Gedan­ken gefischt haben mag, trifft das einen Nerv unse­rer Zeit: näm­lich den, sich aus sämt­li­chen Kul­tu­ren das zu picken, das uns bei unse­rer ganz per­sön­li­chen Sinn­su­che behilf­lich ist.

»Innen­raum. Innen ist Raum. Das, was uns ver­las­sen hat. Das Geheim­nis hin­ter den Din­gen.« spricht Hin­richs mit mys­ti­schem Hall durchs Mikro­fon. »Es gibt eine totale Innen­rau­ment­lee­rung.« Und dann steht er auf der Büh­nen­mitte, reckt die Arme in das tran­szen­dente Licht von oben und schreit sehn­suchts­voll »Komm!« und »Ich schaue ins Licht dei­ner Gnade«.

Doch den Gefal­len tut man ihm nicht, das Licht geht aus, Hin­richs hüllt sich in ein Boden­tuch und stellt resi­gniert fest: »Ich hätte auch gerne jeman­den, der in mir ein Zelt auf­schlägt und in mir wohnt und mich nicht alleine lässt.« Aber woher kommt er, der Sinn? Aus der Phi­lo­so­phie? Der Dich­tung? Dem Glau­ben?  Wohl nicht über die Ratio, denn Hin­richs kapi­tu­liert. »Wir haben uns tot gedacht.« Ab jetzt wird geglaubt.

»Ich bin ich. Ich – du. Ich bin nicht du. Ich bin ich, und das ist böse. Und jetzt alle!« Das Publi­kum sitzt kon­ster­niert, und kei­ner macht mit. Hin­richs tut ein biss­chen belei­digt: »Ihr habt nicht mit­ge­macht! Wir sind keine Gemeinde. Wir haben keine Kir­che mehr. Das weiß ich, weil ihr nicht mit­ge­macht habt.« Aus dem Rang brüllt einer »Doch! Ich!«, aber das passt nicht ins Kon­zept. Denn Hin­richs will einen Chor grün­den. Nicht irgend­ei­nen, son­dern einen »Chor der Pan­the­is­ten«. Orgel­klänge. »Lasst uns heute Abend einen unsicht­ba­ren Orden von Aris­to­kra­ten grün­den!« Geläch­ter, Kopf­schüt­teln, tota­les Absur­dis­tan. Hin­richs muss selbst ein biss­chen lachen. »Wüste, Klos­ter, Trance, LSD, die Gär­ten des Epi­kur, ist doch egal, es ist alles bes­ser als das da.«

Am Ende bleibt der Sitar­spie­ler am vor­de­ren Büh­nen­rand. Er wird den Pro­phe­ten Hin­richs im haut­en­gen Kör­pe­ran­zug bei sei­ner Pre­digt beglei­ten. »Erhebt euch! Jetzt seid EINMAL eine Gemeinde.« Die Rezen­sen­tin lacht. Und schreibt. »Stehst Du jetzt bitte auf!« ruft Hin­richs ein biss­chen unwil­lig. Na gut. Dann wer­den wir eben eine Gemeinde heute Abend. Alle grin­sen. Einige schüt­teln den Kopf. Der Abend ist zu Ende. Die Leute aus der ers­ten Reihe wer­fen die Blu­men aus der Klang­schale zurück auf die Bühne. Wie macht der das bloß? Man möchte es zu gerne wis­sen. Beim Barte des Propheten!

 

Nata­lie Fin­ger­hut (nf)

24. Dezember 2012

Weihnachten 2012

Wir wün­schen unse­ren Lesern ein geseg­ne­tes und fro­hes Weihnachtsfest!

Und was hält sie in der Hand? (Bild: The Yorck Project/Wikipedia)
Und was hält sie in der Hand? (Bild: The Yorck Project/Wikipedia)

Raf­fael da Urbino, Madonna Colonna (um 1507), Neue Gemäl­de­ga­le­rie Berlin

Mat­thias Schu­mann (kms)