Posts mit Schlagwort ‘Friedrich Schirmer’

22. Dezember 2010

Schauspielhaus-Intendanz: Wer soll kommen?

Die Gerüch­te­kü­che bro­delt, der neue Inten­dant am Ham­bur­ger Deut­schen Schau­spiel­haus soll noch vor den Neu­wah­len beru­fen wer­den. Stim­men Sie ab, wer von den am hei­ßes­ten gehan­del­ten Kan­di­da­ten es Ihrer Mei­nung nach wer­den soll.

Nach­trag: Auf Nach­frage unse­rer Leser hier einige kurze Erläu­te­run­gen zu den ein­zel­nen Kandidaten.

Karin Beier: z. Z. Inten­danz in Köln, gilt als grosse Hoff­nung des Stadt­thea­ters, Köln boomt z. Z.

Ste­fa­nie Carp: War Dra­ma­tur­gin am Schau­spiel­haus unter Baum­bauer, hat da ein gutes Pro­fil gehabt, ist Schau­spiel­di­rek­to­rin bei den Wie­ner Festwochen.

Vol­ker Lösch: Haus­re­gis­seur in Stutt­gart, steht für Expe­ri­mente und die Ver­bin­dung von Laien und Pro­fis auf der Bühne, viele poli­ti­sche und soziale Themen

Mat­thias Lili­en­thal: Kommt aus Ber­lin, war Chef­dra­ma­turg an der Volks­bühne, lei­tet dort sehr erfolg­reich die Über­reste des Heb­bel­thea­ters »Heb­bel am Ufer«

M. Schu­mann

17. September 2010

Der General. Eine Verachtung.

Da ist er also, der Vor­schlag der Regie­rung für die Inten­danz des Deut­schen Schau­spiel­haus. Der Erste Bür­ger­meis­ter, Chris­toph Ahl­haus, hat gespro­chen. Ein Gene­ral soll her, genauer ein Gene­ral­in­ten­dant für die bei­den gros­sen Thea­ter­spiel­stät­ten. (Er hat also den blo­gama­bend–Vor­schlag noch nicht zur Kennt­nis genom­men, aber durch­aus in die­sem Sinne gehan­delt. Statt Gleich­schal­tung der Insti­tu­tio­nen ist die Ver­ein­heit­li­chung der Lei­tung auch ein guter Weg.)

Die Kul­tur­szene greint und jam­mert. Was man ver­ste­hen kann. Aber was nie­man­den mehr wun­dern muss, der zurück­blickt. Die Ham­bur­ger haben vor 9 Jah­ren Ole von Beust gewählt und Ronald Bar­na­bas Schill. Schon damals fiel es der neuen Regie­rung aus­ser­or­dent­lich schwer, das Amt des Kul­tur­se­na­tors über­haupt zu beset­zen. Es wurde Dana Hora­kova, eine ihrer ers­ten Amts­hand­lun­gen war die Ver­trei­bung des inno­va­ti­ven Staatsopern-GMD Ingo Metz­ma­cher, des­sen auf­re­gende Arbeit die Ham­bur­gi­sche Staats­oper inter­na­tio­nal bekannt machte. Ihm folgte die elo­quente, aber bei allem Bemü­hen um Auf­merk­sam­keit immer noch bedeu­tungs­lose Simone Young.

Nach Hora­ko­vas Amts­zeit wurde Karin von Welck ein­ge­setzt. Aus­ser vie­ler Reprä­sen­tan­zen war mit ihr nicht viel, und den düs­te­ren Finanz­kra­ter Elb­phil­har­mo­nie zu ver­wal­ten, dürfte sowohl die Amts­in­ha­be­rin als auch ihre kleine Behörde mehr als über­for­dert haben. Nun gibt es einen aber­mals wider­wil­lig ein­ge­setz­ten Kul­tur­se­na­tor und einen Ers­ten Bür­ger­meis­ter, der glaubt, sein Pro­blem liesse sich mit Ein­spa­rung eines Inten­dan­ten­ge­hal­tes lösen. Er sucht einen Haus­halts­rei­ni­ger. Wie hieß das einst: »Nur was rich­tig sau­ber ist, kann rich­tig glänzen.«

Es war schon immer schwie­rig mit dem bür­ger­li­chen Kul­tur­ver­ständ­nis, beson­ders in Ham­burg. Es gab sogar einen Bür­ger­meis­ter – der war übri­gens von der ande­ren Par­tei – der seine »Klas­si­ker wie­der­er­ken­nen« wollte. Auch das ist eine Hal­tung. Es ist offen­bar sehr schwer zu ver­ste­hen, daß etwas, was man mit Sub­ven­tio­nen bedenkt, anders ist, als das, was man kennt. Auch zur Zeit geht es viel um »Vol­kes Stimme«, um Kon­trolle und Ein­fluß­nahme. »Kul­tur­po­li­tik soll aber künf­tig mehr als bis­her aus der Sicht der Bevöl­ke­rung gedacht und orga­ni­siert wer­den.« hört man den Kul­tur­se­na­tor sagen. (HA) Das ist ein genauso popu­lis­ti­scher Gemein­platz wie der vom »Wie­der­er­ken­nen« der Klas­si­ker. Aus bei­den spricht nicht der Wille zur Ein­las­sung, zur Aus­ein­an­der­set­zung, son­dern eine tiefe Angst, die in Ver­ach­tung mün­det. Und das schon seit Jahren.

M. Schu­mann

14. September 2010

Testamentsvollstreckung

Ach, schon wie­der das Deut­sche Schau­spiel­haus. Und nicht mal eine Pre­miere. »Aus mei­ner Sicht führt die Kom­bi­na­tion aus Unter­fi­nan­zie­rung, nicht ein­ge­hal­te­nen finan­zi­el­len Zusa­gen und zusätz­li­cher Kür­zung dazu, dass das Deut­sche Schau­spiel­haus in Ham­burg diese Spiel­zeit nicht mit einem aus­ge­gli­che­nen Haus­halt begin­nen kann. Die Fort­füh­rung mei­ner Arbeit ist mir unter die­sen Umstän­den nicht mög­lich.« Fried­rich Schir­mer hat seit fünf Jah­ren die Not­stands­ver­wal­tung der Ham­bur­ger Kul­tur­po­li­tik aus­hal­ten müs­sen, in einer Stadt, deren Kul­tur­för­de­rung in Pres­ti­ge­pro­jek­ten und Renom­mier­ge­habe sich zeigt, und nicht im Gut­heis­sen von künst­le­ri­schen Konzepten.

Schir­mer hatte zwei­fel­los eines, er hat sein Haus geprägt mit jun­gen Ideen und Künst­lern. Aber das steht sowieso nicht zur Debatte. Die Nicht­ein­hal­tung der Abspra­chen zwi­schen Inten­danz und Kul­tur­be­hörde, die seit dem Bau­de­ba­kel im Hafen maß­los über­for­dert ist, ist ganz offen­bar eine Alt­last, beschlos­sen noch unter der Ägide der ehe­ma­li­gen Kul­tur­se­na­to­rin Karin von Welck. Ihr Tes­ta­ment sozu­sa­gen. Der neue erste Bür­ger­meis­ter Ahl­haus wollte die­sen Pos­ten ganz abschaf­fen, so her­un­ter­ge­kom­men sind Amt und Würde in der Auf­fas­sung der Senats­kol­le­gen offen­bar. Das ist bezeich­nend, solange die Hal­tung des Senats zum Kul­tur­etat, der ja tat­säch­lich nur einen Bruch­teil des Gesamt­bud­gets die­ser immer noch sehr, sehr rei­chen Stadt aus­macht, sich nicht ver­än­dert, wird nichts gesche­hen. Egal, wer kom­men wird – die ers­ten Namen machen bereits die Gerüch­te­runde (Vol­ker Lösch? … nicht im Ernst, oder?) – es wird sich nichts ändern. Am bes­ten wäre es viel­leicht, das Schau­spiel­haus neu zu fir­mie­ren, und damit ist für uns tat­säch­lich Pre­miere bei unse­rem klei­nen, bereits ange­kün­dig­ten Pro­jekt: »Das Schau­spiel­haus der Elb­phil­har­mo­nie«, das wär’s doch. Die Finanz­pro­bleme wären jeden­falls auf einen Schlag gelöst.

M. Schu­mann