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29. Mai 2012

Die Schauspielerin Leslie Malton kann englische Worte richtig aussprechen

Ein P. G. Wodehouse-Abend im Lite­ra­tur­haus Hamburg

Es ist die­ses Idiom, das zwi­schen Nasen­schei­de­wand und Schnei­de­zäh­nen ent­steht, daß das sprach­li­che Kos­tüm für die gemein­hin als  gelun­gen ange­se­hene Inter­pre­ta­tion eng­lisch­spra­chi­ger Texte liefert.

Wenn die im deutsch­spra­chi­gen TV sozia­li­sierte Ame­ri­ka­ne­rin Les­lie Mal­tonDer große Bell­heim«) die­ses oder jenes orts­be­schrei­bende Ori­gi­nal­zi­tat aus die­ser phy­sio­gno­mi­schen Zone her­aus­kom­men läßt und dabei die Hals­mus­ku­la­tur ver­spannt wie eine Ascot­lady mit zu schwe­rer Kopf­be­de­ckung, ist die Lei­den­schaft weit und die Aura der »Bri­tish­ness« gewahrt. Das mag der Gedanke gewe­sen sein, die Schau­spie­le­rin für einen Abend mit Tex­ten des eng­li­schen Autors Pel­ham Gren­ville Wode­house zu besetzen.

Des­sen Figu­ren sind so ziem­lich genau das, was der anglo­phile Ham­bur­ger zu schät­zen weiß, skur­ril und cle­ver die But­ler, sto­isch und ein wenig tumb die Lord­schaf­ten und alles in allem sehr amü­sant. Ein Autor, an den es zu erin­nern lohnt, qua sei­ner Erzähl­kunst und der gewandt-eigenwilligen Sprache.

Das ist auch die Idee der Reihe, die das Lite­ra­tur­haus Ham­burg seit eini­ger Zeit pflegt, abseits von aus­ge­tre­te­nen Pfa­den für Lite­ra­tur zu inter­es­sie­ren. Wode­house ist es sicher­lich wert, mehr beach­tet zu wer­den, seine Fan­ge­meinde im Com­mon­wealth ist groß, eine lobens­werte und hübsch aus­ge­stat­tete neue Edi­tion des Schwei­zer Klein­ver­lags Edi­tion Epoca macht die Ent­schei­dung, den Autor im deutsch­spra­chi­gen Raum mehr zu lesen, sicher ein­fa­cher. Doch an der Prä­sen­ta­tion kann man noch arbei­ten, ganz sicher.

Denn — die kom­plette Abwe­sen­heit einer auf irgend eine Art anre­gen­den Dra­ma­tur­gie die­ses Abend – dröge abge­le­sene Ein­füh­rungs­texte des dazu gela­de­nen, freund­li­chen Exper­ten und FASZ-Wissenschaftsredakteur Til­man Spre­ckel­sen im Wech­sel mit dem Vor­trag einer schlecht vor­be­rei­te­ten Schau­spie­le­rin – geschätzt, und sicher­lich über­trie­ben, säu­men 200 Ver­spre­cher ihren Weg – macht den wenigs­ten Freude. Die pure Maske des »Eng­li­schen« reicht ein­fach nicht aus, Nasal hin, Schnei­de­zahn her.

»Ja, aber auf Eng­lisch wäre es bes­ser gewe­sen«, war da anschlie­ßend im Publi­kum zu hören. Was zu bezwei­feln ist, am deut­schen Text lag’s gewiss nicht. Ein oder zwei Stun­den lie­be­volle Gedan­ken­bil­dung, wie man einen Autor dar­stel­len kann, sind immer gut inves­tierte Zeit. Die fehlte hier offenbar.

Was ja nicht heißt, dass der Redak­teur Spre­ckel­sen, der sich ja offen­bar sehr für Wode­house inter­es­siert, unkun­dig ist. Im Gegen­teil, Texte vor­wie­gend aus dem auto­bio­gra­phi­schen Werk aus­zu­wäh­len, weist ja auf geho­be­nes Text­ver­ständ­nis und echte Lei­den­schaft für sein lite­ra­ri­sches Sub­jekt hin.

Musculus sternocleidomastoideus bei der Arbeit (Bild: HHF)
Mus­cu­lus ster­no­clei­do­ma­sto­ideus bei der Arbeit (Bild: HHF)

Es setzt aller­dings vor­aus, dass die Wode­house­schen Meis­ter­stück­chen über den Haus­die­ner Regi­nald Jee­ves und sei­nem Her­ren Ber­tie Woos­ter hin­rei­chend beim Publi­kum bekannt sind. Sind sie das?

Die sind näm­lich komisch. Natür­lich ist es ehren­wert, deutsch und wich­tig, auf die unglück­se­li­gen Kol­la­bo­ra­ti­ons­vor­würfe gegen den Wode­house des Jah­res 1941 hin­zu­wei­sen. Aber das ist eben vor allem eins – akademisch.

An die Adresse der Ver­an­stal­ter mag man da nur laut hin­über­trom­pe­ten: »Mehr Lei­den­schaft! Mehr Begeis­te­rung!« Und vor allem: »Mehr Humor!«

Am 26. Juni gibt auf dem Kehr­wie­der einen wei­te­ren Wodehouse-Abend anläss­lich des Kron­ju­bi­lä­ums der eng­li­schen Köni­gin – sagt die Pres­se­mit­tei­lung. Da liest dann Nina Petri. Mal sehen, wie das wird, viel­leicht ja ganz lus­tig.

Mat­thias Schu­mann (kms)