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Archiv für den Monat: November 2013
Die wollen nur spielen
»Denn ich tue nicht, was ich will …«
Und die Wolken ziehen, wie die Vögel fliegen
[Initiale ein]E[Initiale aus]s ist immer noch eine bemerkenswerte Gegend hier, überall Fassaden und Fallwinde. Zwar reiht sich inzwischen Baum an Baum, auch ihnen jedoch gönnt man Behausungen, sie stehen in normierten, brusthohen Kübeln. Eine Ahnung von Synthetik ist überall in dem immer noch neuen Stadtteil, den sie in Hamburg stolz »HafenCity« nennen, als sei dies ein Zentrum des geschäftigen Lebens.
Tourismus, gewiss, Busse, Menschen, die umherschauen, aber als lebendiger Stadtteil kommt das neue Viertel auch nach 10 Jahren immer noch nicht daher, dabei bemüht man sich, ganz nach Richard Floridas um die Jahrtausendwende modernen Stadtentwicklungstheorie, den Ort mit kulturellem Leben zu füllen.
Festivals, die sich mit dem Hafen-Label schmücken, Veranstaltungsreihen, Wettbewerbe, selbst der Evangelische Kirchentag war hier zu Gast – denn wo die »Kreativszene« sich tummelt, kommen die Menschen, so nimmt immer noch jeder an, der Floridas »The Rise of the Creative Class« gelesen hat, an. Viele »Leuchtturm-Projekte« sind hier entstanden, Einzelbauten, mit der Absicht, so weit hinaus wie möglich in die Welt hinaus zu strahlen. Inzwischen ist das Buch nicht mehr so modern, und ob es eine Welt gibt, die davon beschienen wird, ist nicht mehr so gewiss.
Wenn man von einem der hohen Gebäude einmal nicht auf das Hautprestigeprojekt auf dem Kaiserhöft schaut, sondern den Blick nach Norden schweifen lässt, über den begrenzenden Zollkanal hinaus, erblickt man die gekrönte Spitze einer der fünf Hamburger Hauptkirchen, St. Katharinen. Sie ist von hier über die alten Zollbrücken zu erreichen, ein Wassergraben trennt die Stadtteile. In der HafenCity wohnen um die 1.300 Menschen, die wenigsten von ihnen dürften diese Kirche einmal von innen gesehen haben.
So ist in der Shanghaiallee – die Namen der Straßen hier erinnern an die lukrativen Überseegeschäfte der altehrwürdigen Hamburger Kaufmannschaft – auf Betreiben der Initiative christlicher Kirchen in Hamburg, ein ökumenisches Zentrum entstanden. Ein Kirchenneubau zwischen all den anderen Neubauten, rein äusserlich ein äußerst schlichtes Gebäude – serielle Fensterreihen im Rotklinker – der neben einem Café mit dem – alle Erwartungsklischees von Glaubensspöttern bedienenden – Namen »ElbFaire« auch eine Kapelle beherbergt.
Äusserste gestalterische Zurückhaltung und Kargheit prägen den namenlosen Raum, verglichen mit diesem ist ein calvinistischer Andachtsraum ein barocker Palast. Rote Ziegel, wie aufeinandergestapelt im Halbrund bis zur Decke, ein heller Holztisch, rechts davon ein Kreuz – schlichter geht es nicht. Auch in dieser architektonisch überaus elaborierten Umgebung findet sich der synthetische Geist des gesamten Areals wieder.
Ein ungemein zurückhaltender Ort, von kontemplativer Erhabenheit ist er aber weit entfernt, zu kleinteilig ist das gerasterte Raumensemble. Es fällt schwer, sich vorzustellen, hier eine innere Sammlung aufzubauen, gar in Andacht zu fallen.
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