Sarah Kirsch †

16. April 1935 – 5. Mai 2013

Sarah Kirsch 1964 (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-C1114-0020-002 / Franke, Klaus / CC-BY-SA)
Sarah Kirsch 1964 (Bild: Bun­de­sarchiv, Bild 183-C1114-0020–002 / Franke, Klaus / CC-BY-SA)

Erst heute wurde es bekan­nt: Eine bedeu­tende Poet­in des alten ges­pal­te­nen und des neuen, gesamten Deutsch­lands ist gestor­ben, Sarah Kirsch. Wie immer würdi­gen wir an dieser Stelle nicht mit lan­gen Nachrufen, son­dern mit einem Werk der ver­stor­be­nen Dich­terin.

Trau­riger Tag (1973)

Ich bin ein Tiger im Regen
Wass­er scheit­elt mir das Fell
Tro­fen tropfen in die Augen

Ich schlurfe langsam, schleu­dre die Pfoten
die Friedrich­straße ent­lang
und bin im Regen abge­bran­nt

Ich hau mich durch Autos bei Rot
geh ins Café um Magen­bit­ter
freß die Kapelle und schauk­le fort

Ich brülle am Alex den Regen scharf
das Hochhaus wird naß, ver­liert seinen Gür­tel
(ich knurre : man tut was man kann)

Aber es reg­net den siebten Tag
Da bin ich bös bis un die Wim­pern

Ich fauchte mir die Straße leer
und set­zt mich unter ehrliche Möwen

Die sehen alle nach links in die Spree

Und wenn ich gewaltiger Tiger heule
ver­stehn sie : ich meine es müßte hier
noch andere Tiger geben

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